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Erde der Fremden – Poesie Abend

Datum/Zeit
Datum - 01.11.2018
19:00 - 21:00 Uhr


Im Rahmen der 3. Syrischen Kulturtage laden wir zu einem Poesie Abend ein, an dem die drei syrischen Dichter F. Alkadri, E. Alyosof und S. Alkadra lesen werden. Die Veranstaltung ist auf Arabisch und wird ins Deutsche übersetzt.

Hier eines der Gedichte als Vorgeschmack:

wie ein blatt
an einem grenzübergang
schwimme ich im himmel
und meine seele bleibt dennoch trocken
ich frage nach mir selbst
und finde mich nicht
schätze mein schicksal ein
und gehe

dazwischen

sind meine schritte

der unglückliche plündert sein eigenes leben
tanzt seine lieder
seine großen verluste
buchstabe nach buchstabe
webt sich sein leichentuch
es ist die schwierige zeit
die glücklichen schreiten an dir vorbei
was kümmert sie denn dein leid
aber auch die toten gehen vorbei
in ihren verzierten leichentüchern
und den karren mit den puppen

und du, du bist alleine
ein blatt an einem einsamen grenzübergang

lass deine glocken läuten
und drücke deine bretter an ihre seile
und beisse dich fest am unglück

tote, die du nicht tot glaubst
gehen
tote, die leichentücher plündern
im leben beschützen sie ihren tod
was kümmert dich überhaupt mein tod

an meiner brust weinte sie die ganze nacht
ihr blut floss über meine dornen
ihre blüte duftete
schmückte die luft

ich ziere dich mit küssen,
gewürzt mit unserem drängenden atem
unser schicksal
feuer mit feuer zu kneten
weit weit weg
unsere atemzüge treiben die schiffe fort

unser schicksal
uns gegenseitig mit blut zu begießen
deine hand wandert über meine stirn
ich vergehe
meine hand an deinen hügeln
ein in ewiger quelle zitterndes schilf
schließe deine augen
ungezügelt ist der staub der Begierde

ich verführte dich mit meiner leidenschaft
nicht mit meinen lügen noch meinen zweifeln
ich verführte dich
und machte dir die begierde schmackhaft
verführte ich dich nicht
Wenn es nur wäre
wenn es nur wäre

wie oft sagte ich dir
alle früchte, nur diese nicht
alle schränke, nur dieser nicht
du kümmertest dich nicht
nur die gnade des verlustes kümmerte dich
hier meine gefühle, die meine gefühle fressen
meine tage, meine tage
das glück im ganzen
die hoffnungslosigkeit im ganzen
nichts neues, gar nichts neues unter meiner sonne.